Katlenburg-Lindau. Wilma
Bröer und Edeltraud Schaper
fassen die Gelegenheit beim
Schopf: Die beiden Frauen
aus Berka lassen sich bei
der Computer-Schulung in der
Haupt- und Realschule in
Lindau ihre Handys erklären.
Schließlich sind die
tragbaren Telefone im
Prinzip nichts anderes als
Minicomputer.
"Da
haben wir jetzt ein bisschen
mehr Durchblick", freuen
sich die beiden
übereinstimmend, nachdem
ihnen Philipp Wolter und
Steen Keller die technischen
Feinheiten ein wenig näher
gebracht haben. Aus den
mitgelieferten
Bedienungsanleitungen der
Handys sind sie nämlich
nicht wirklich schlau
geworden beziehungsweise
haben nach einem Blick dort
hinein das Handtuch
geworfen.
Klingeltöne
"Wir
konnten damit bisher nur
telefonieren, das wars",
beschreiben die Damen ihr
dürftiges Wissen über ihre
Handys. Jetzt können sie
einiges mehr, zum Beispiel
zwischen verschiedenen
Klingeltöne wählen, die
Lautstärke regulieren,
Telefonnummern speichern und
abrufen, ihr Guthaben
kontrollieren oder ein Bild
aufs Display laden. Der Weg
in die Schule hat sich für
sie gelohnt.
Dabei
sind Philipp Wolter und
Steen Keller keine Pädagogen
im herkömmlichen Sinn,
sondern Schüler der Lindauer
Lehranstalt. Die kennen sich
mit Handys und Computern
bestens aus, sind deshalb
speziell für interessierte
Senioren in die Rolle von
Lehrern geschlüpft - mit
Erfolg.
"Die
Jugendlichen wachsen mit der
Technik auf, beherrschen
diese quasi im Schlaf,
während ältere Menschen eine
Hemmschwelle haben und sich
gar nicht erst herantrauen
oder mannigfaltige Probleme
damit haben", beschreibt
Rektor Rolf Huchthausen die
Situation der
unterschiedlichen
Generationen. Was also liegt
da näher, dass die jungen
Leute interessierten
Senioren auf die Sprünge
helfen. Das passiert jetzt
regelmäßig montags von 11
bis 13 Uhr im Computerraum -
dort, wo Pädagoge Stefan
Holzkamp mit der Computer AG
arbeitet.
Bildbearbeitung
Norman
Hagemann, Christoph Wollborn
und Tim Hollstein (alle 14)
sitzen mit Hubert Schatte
zusammen an einem PC. Der
69-Jährige ist wissbegierig,
möchte besser mit einem
Computer umgehen können.
"Ich lasse mir gerade
zeigen, wie Bilder digital
bearbeitet werden.
Vielleicht kann ich ja bald
meine vielen Bilder zuhause
in Form bringen. Die stecken
derzeit noch alle auf dem
Chip."
An den
übrigen Computern wird
eifrig diskutiert und
erklärt. Von "Ich komme
schon ganz gut zurecht" bis
"Für mich ist alles neu und
kompliziert" reichen die
Aussagen der Teilnehmer.
Zehn sind es an diesem
Vormittag, andere stehen
bereits auf der Warteliste.
Das
Projekt wird auf jeden Fall
fortgesetzt, kündigt Rolf
Huchthausen an.